Lesekreise

Wer seine eigenen Ansichten verfeinern möchte, darf den Kontakt mit fremden Gedanken nicht scheuen – und welches Medium würde sich dafür besser  eignen als das Buch, der Artikel, der Essay, das geschriebene Wort? Als eine der größten kultuerellen Errungenschaften der menschlichen Spezes erlaubt uns die Schrift das Speichern von Wissen, Ideen und Meinungen und deren Verbreitung an unsere Mitmenschen. Texte können Informationen transportieren und so zur Bildung beitragen, Positionen und Stimmungen zu bestimmten Themen beeinflussen und uns als eigene Kunstform durch die Fantasie der Autoren in fremde Welten entführen oder unsere Gefühle allein durch die Macht der Worte und die Schönheit der Sprache berühren.

Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele.

Marcus Tullius Cicero zugeschrieben

Die Hochschulgruppe Säkularer Humanismus hält deshalb Lesekreise ab, in denen wir uns mit je einem zuvor ausgewählten und nicht zu langen Text aus Wissenschaft, Philosopie, Politik, Kunst oder anderen Themenbereichen beschäftigen. Wir lesen zunächst jeder für sich den Text und diskutieren dann gemeinsam dessen Inhalt und tauschen uns auf dieser Basis über unsere eigenen Ansichten und Gedanken aus. Manchmal inspirieren uns die ausgesuchten Schridtstücke zu neuen Gedanken, auf die wir so noch nicht gekommen waren, manchmal erfahren wir durch sie völlig neue Dinge und manchmal hält der gewählte Text auch einer kritischen Überprüfung nicht stand – was uns aber eine gute Gelegenheit bietet, unser Urteilsvermögen zu schärfen. In jedem Fall gibt es einen spannenden Austausch untereinander!

Bisherige Lektüren:

  • Pipelines bauen für den Frieden, Nathan Giwerzew: Angesichts des beginnenden Überfalls Russlands auf die Ukraine haben wir uns durch den Text in der ideologiekritischen Zeitschrift Bahamas mit der Geschichte der deutschen Russlandpolitik auseinandergesetzt, in der die Interessen anderer osteuropäischer Staaten oft zugunsten Moskaus ausgeklammert wurden.
  • Ein Plädoyer für posthumane Würde, David Althaus, Andrei Pöhlmann: Der dreiteilige Beitrag auf der Webseite der gbs Schweiz beschäftigt sich mit Vorbehalten gegenüber transhumanistischen Ideen, die Möglichkeiten der Technologie zur Verbesserung des Zustandes des Menschen auszuschöpfen. Wesentliche Dikussionsthemen waren die Definition des Begriffes „Mensch“ und die Frage, inwieweit transhumanistische Ideen wesensverschieden von der jahrtausendealten Praxis sind, Werkzeuge und Technologien zur Erleichterung des menschlichen Lebens einzusetzen. Fraglich blieb auch, inwieweit die präsentierten Argumente der Gegenseitige wirklich deren beste Punkte sind.
    https://gbs-schweiz.org/blog/ein-plaedoyer-fuer-posthumane-wuerde-teil-1/index.html
  • Die Ideologie überhaupt, namentlich die deutsche, aus: Die Deutsche Ideologie, Karl Marx, Friedrich Engels: Marx und Engels leisten mit der Deutschen Ideologie eine Kritik am deutschen Idealismus und stellen jenem ein materialistisches Geschichts- und Gesellschaftsverständnis entgegen. Wir haben uns mit dem ersten Abschnitt des Werks befasst. Diskutiert wurden dabei u. a. das Verhältnis von Ideen und materiellen Verhältnissen, aber auch der von Marx (und Engels) verwandte Empiriebegriff und die Relevanz ihrer Analyse für die zeitgenössische Leserschaft.
    www.mlwerke.de/me/me03/me03_009.htm
  • The Humanist Frame, Julian Huxley: Der Evolutionsbiologe und humanistische Vordenker Julian Huxley legt in seinem Essay die Grundzüge seines Konzeptes eines evolutionären Humanismus dar, also einer Weltanschauung, die den Menschen mit seinem Wesen und seinen Möglichkeiten (im Gegensatz zu Göttern) im Kontext eines biologischen und psychosozialen Evolutionsprozesses ins Zentrum stellt. Dem Evolutionären Humanismus hat sich auch die Giordano-Bruno-Stiftung verschrieben und er bildet den Rahmen für die Aktivitäten der hsh. Huxleys Thesen und Visionen waren die Grundlage einer angeregten und kontroversen Diskussion, die uns insbesondere auch zu der Frage führte, wie man dem Evolutionären Humanismus zu größerer Bekanntheit verhelfen könnte.
  • Warum Tiere keine Rechte haben, Uli Krug: Krug kritisiert in diesem Essay die Tierrechtsbewegung und insbesondere ihre Rede von der „Befreiung“ der Tiere, in der er eine Romantisierung der Natur bei gleichzeitiger Verdammung der Zivilisation erkennt. Seine Thesen wurden von uns kritisch diskutiert, ebenso die uns in diesem Zusammenhang wichtig erscheinende Frage, ob bzw. inwiefern der Mensch sich prinzipiell vom Tier unterscheidet.
    https://jungle.world/artikel/2019/25/warum-tiere-keine-rechte-haben
  • There is ableism at the root of your oppression, no matter what your oppression might be, Mel Baggs: Der Blogartikel beschäftigt sich mit dem Gedanken der Abhängigkeit verschiedener Formen der Diskriminerung untereinander und der Idee, dass „Ableismus“, also Diskrimierung auf Grundlage der körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, allen anderen Formen der Diskrimierung als Basis diene – eine Vorstellung, die in unserer Runde kritisch hinterfragt wurde.
    https://ballastexistenz.wordpress.com/2016/05/01/there-is-ableism-somewhere-at-the-heart-of-your-oppression-no-matter-what-your-oppression-might-be/
  • Das „Münchhausen-Trilemma“ oder: Ist es möglich, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen?, Dr. Michael-Schmidt-Salomon: Dieser Vortrag Schmidt-Salomons anlässlich des 80. Geburtstags des kritisch-rationalistischen Philosophen Hans Albert beschäftigt sich mit dessen Erkenntnis, dass Letzbegründungen zwangsweise unmöglich sind und wir nur versuchen können, der Wahrheit durch kritisches Hinterfragen näher zu kommen. Als Basis für diesen Prozess könne axiomatisch eine humanistische Ethik gesetzt werden.
    http://www.schmidt-salomon.de/muench.htm
  • Auf dem Weg zur Einheit des Wissens – Die Evolution der Evolutionstheorie und die Gefahren von Biologismus und Kulturismus, Dr. Michael Schmidt-Salomon:
    Dieser Text des Vorstandssprechers der Giordano-Bruno-Stiftung beleuchtet die historische Entwicklung der Evolutionstheorie und ihre integrative Kraft, selbst das Sozialverhalten der Menschen erklären zu können. Auf dieser Basis wird der Evolutionäre Humanismus als Weltanschauung eingeführt, die die Spannungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften überbrücken könnte.
    http://www.schmidt-salomon.de/bruno/Archiv/einheitwiss.pdf